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Die tiefen Klarinetten

Bassettklarinette in A und B · Klarinette d'Amore / Bassetthorn in G · Bassetthorn in F · Altklarinette

Auch für diese Klarinetten hat sich kein allgemeiner Gattungsbegriff gebildet. Ein Grund mag sein, dass es sich um eher seltene Familienmitglieder handelt. Ein anderer, dass bei der Klarinettenfamilie wegen des großen Tonumfangs der Instrumente ein Tenor-Instrument fehlt. Am ehesten träfe daher noch die Gattungsbezeichnung 'Alt-Klarinetten' zu, doch ist zum einen diese Bezeichnung bereits für ein bestimmtes Instrument belegt und dem historisch älteren und bedeutsameren Bassetthorn würde der Oberbegriff nicht gerecht.

Bassettklarinette [in A]

Die A-Klarinette [Sopran-Klarinette in A] kann mit einem, einer großen Terz entsprechenden, verlängerten Unterstück versehen werden, um die Töne bis zum notierten c (klingend A) spielen zu können. Sie nennt sich dann Bassettklarinette. Zuerst wurde sie wieder populär durch Sabine Meyer, und ist heute bei vielen namhaften Solisten verbreitet. Sie kommt meist bei Aufführungen von Mozarts Klarinettenkonzert (A-Dur, KV 622) zum Einsatz, weil man so die mutmaßliche Originalversion der Solostimme ohne Änderungen spielen und dem Werk einen noch intensiveren Charakter im tiefen Register verleihen kann.

Vereinzelt findet man auch Bassettklarinetten in B, also um ein Bassett-Unterstück ergänzte B-Klarinetten.

Klarinette d'Amore / Bassetthorn in G

Im Frühjahr 2020 erhielt Richard Haynes eine moderne Klarinette d'Amore (alternativ Bassetthorn in G) aus Mopane von der Firma Schwenk & Seggelke Bamberg. Als Besonderheit verfügt dieses Instrument über einen gegenüber der tiefen G-Klarinette nach unten um vier Halbtöne erweiterten Tonumfang bis notiert c (klingend G). Außerdem kann es sowohl mit dem eiförmigen d'Amore-Schallbecher als auch mit einem traditionellen trichterförmigem Schallbecher gespielt werden.

Bassetthorn [in F]

Das Bassetthorn transponiert eine reine Quinte [sieben Halbtöne] nach unten. W. A. Mozart liebte es sehr und setzte ihm im Requiem (KV 626) ein klingendes Denkmal (obgleich alle vorgesehenen Töne mit der B-Klarinette gespielt werden können, aber ihm war wohl an dem besonderen Klangbild gelegen). Heute entdeckt man das Bassetthorn für Kammermusik, aber auch für improvisatorische Musik, wieder neu.

Obacht bei älteren Notenausgaben (so auch bei Mozarts Autograph von KV 477 Mauerische Trauermusik): Einst wurden die Noten für Bassetthorn im Bassschlüssel und eine reine Quarte tiefer als klingend notiert (also für heutige Lesegewohnheiten ungewöhnlicherweise nach oben transponierend). Das folgende Beispiel ist die heute gebräuchliche Notation – im Violinschlüssel und eine reine Quinte höher notiert als klingend.

Der Namen setzt sich aus "Bassett" für die Stimmlage und "Horn" in Anlehnung an die frühen, halbrunden Bauformen zusammen. Doch auch wenn das Bassetthorn die "Klarinette" nicht im Namen trägt, so gehört es gleichwohl zur Familie.

Noten für Bassetthorn

... hat Dietrich Demus zahlreich und sachkundig zusammengestellt. Siehe hier.

Altklarinette [in Es]

Die Altklarinette transponiert eine große Sexte [neun Halbtöne] nach unten und kann auch von jungen Menschen gespielt werden. Sie ist allgemein eher selten gebräuchlich – in ihrer Stimmlage konkurriert sie mit dem Bassetthorn – und wird am ehesten in sinfonischer Blasmusik anzutreffen sein. Quartettliteratur sieht oft die Altklarinette für die dritte Stimme vor, weil das Bassetthorn trotz seines größeren Tonumfangs noch seltener zu sein scheint.

Ganz besonders selten sind Altklarinetten mit deutscher Griffweise. Die weltweite Überzahl der Kompositionen und Arrangements für sinfonisches Blasorchester sowie der Blasorchester überhaupt aus/in dem nicht-deutschen Raum bringt es halt mit sich, dass regelmäßig die französische Griffweise bei der Altklarinette vorzufinden ist.