Historie Tradition Entwicklung · Tonumfang & Klassifikation · Notation · Transponieren · Erläuterung zu den Notationsbeispielen & Kurzbeschreibungen • Hohe Klarinetten (Hoch-a · As · Hoch-G · Es · D) • Sopran-Klarinetten (C · B · A · G) • Tiefe Klarinetten (Bassettklarinette · Klarinette d'Amore · Bassetthorn · Altklarinette) • Bass-Klarinetten (Bass-, Kontraalt-, Kontrabassklarinette · CLEX · Oktokontraalt- und Oktokontrabassklarinette) • Download
Alle 20 Klarinetten
Historie · Tradition · Entwicklung
Zur Klarinettenfamilie gehören heute 20 verschiedene Instrumente unterschiedlichster Größe und Grundstimmung.
Diese Vielzahl geht auf die historischen Wurzeln der Klarinette um das Jahr 1700 und die damaligen Produktionsbedingungen zurück. Man verfügte noch nicht über die heutigen Möglichkeiten einer komplexen mechanischen Ergänzung des Holzkorpus. Die handwerklichen Fähigkeiten waren noch nicht so weit entwickelt, denn die Trennung in verschiedene Handwerkszünfte erschwerte das interdisziplinäre Experimentieren und Produzieren mit »Holz« und »Metall« in derselben Werkstatt. So waren die ersten, frühen Klarinetten solche in D oder C, also eher kleine Instrumente, für die menschliche Hand gerade groß genug und auch ohne ausladende Mechanik schon gut spielbar.
Erst im 19. Jahrhundert mit einer ersten Phase der Vervollkommnung – bereits ab 1808 (Stichwort: Ringklappensystem) – wurde die heute bekannte komplexe mechanische Ausstattung der Klarinette entwickelt. Sie ermöglicht uns, alle Tonarten auf einem Instrument weitgehend problemlos zu spielen – wenngleich auch die mit den schwieriger zu realisierenden Tonarten verbundenen klanglichen Besonderheiten dabei nicht mehr realisiert werden können. Denn auf den heute so präzise gefertigten und mechanisch reichlich ausgestatteten Instrumenten sind recht eigentlich doch alle Tonarten nichts weiter als »transponiertes C-Dur« (Zitat nach Nikolaus Harnoncourt).
Früher brauchte man zur bestmöglichen Aufführung unterschiedlichster Tonarten entsprechend unterschiedlich gebaute Instrumente, heute eigentlich nur noch eins.
Hinzu kommen selbstverständlich kompositorische und aufführungspraktische Wünsche, die zur Erfindung und Verbreitung von ganz kleinen (ganz hohen) bis zu ganz großen (ganz tiefen) Klarinetteninstrumenten führten. Traditionsbewusst wie Instrumentenbauer und Instrumentalisten nun mal sind, wurden bei der Evolution der Klarinetten über die Jahrhunderte ihrer Existenz die von der ansonsten üblichen Grundstimmung in C abweichenden Grundstimmungen (besonders häufig in A, B und Es) beibehalten.
In tiefere Regionen drang man schon zu W. A. Mozarts Zeiten vor – Bassettklarinette und Bassetthorn sind überliefert. Gegen Ende des 18. Jahrhundert wurde die Bassklarinette erfunden; Adolphe Sax gab ihr ab etwa 1830 die heutige Gestalt. Mit der Faszination für die Tiefe und neuen technischen Möglichkeiten gibt es heute sogar Klarinetten, deren tiefste Töne bis zur menschlichen Hörschwelle hinabreichen.
Tonumfang, Klassifikation und Notation
Der allgemein gebräuchliche Tonumfang der Klarinette erstreckt sich über mehr als dreieinhalb Oktaven. Unter anderem aus diesem Grund konnte sich für die Klarinetten keine einheitliche Klassifikation durchsetzen, wie wir sie beispielsweise von den Saxophonen oder den menschlichen Stimmlagen kennen (Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Bass etc.).
Die Notation steht heute im Violinschlüssel, beginnend mit dem tiefsten Ton e (bei einigen tiefen Klarinetten und Bass-Klarinetten es oder C) bis zum höchsten Ton, meist ein g''' oder a''' (selten bis c''''). Lediglich ab der Bassklarinette abwärts sind bei älteren Notenausgaben noch Notationen im Bassschlüssel verbreitet.
Transponieren
Von der C-Klarinette abgesehen transponieren alle Klarinetten-Instrumente. Praktischerweise muss man das beim Erlernen der Griffe für die Töne nicht berücksichtigen – auf allen Klarinetteninstrumenten sind die Griffe für identische Noten identisch (abgesehen von kleineren bauartbedingten Unterschieden insbesondere in den »Randbereichen« unterhalb vom notierten e und oberhalb vom notierten c'''). Je nach Grundstimmung erklingen aber bei identischen Griffen verschiedene Töne – das ist für das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten entscheidend.
Kleine Notenbeispiele in den nachfolgenden Kurzbeschreibungen auf den folgenden Seiten sollen dies verdeutlichen.
Erläuterung zu den nachfolgenden Notenbeispielen und Kurzbeschreibungen
Die Notenbeispiele zu allen Klarinetten-Instrumenten auf den folgenden Seiten zeigen im jeweils
- Takt das notierte zweigestrichene C (Kurzschreibweise: c'' oder c²), englisch: C5;
- Takt den klingenden Ton, wenn man das c'' (aus dem 1. Takt) auf dem Instrument greift/spielt;
- Takt den tiefsten notierten Ton des Instruments;
- Takt den tiefsten klingenden Ton des Instruments, wenn man den Ton aus dem 3. Takt greift/spielt.
Dazu gibt es einige kurze instrumentenspezifische Erläuterungen.
Der höchste Ton ist nicht angegeben, weil er je nach den Fähigkeiten des Klarinettisten variiert. Regelmäßig sollte das notierte g''' erreicht werden, bestenfalls auch einige Töne darüber. Fortgeschrittenere, geübtere Spieler gelangen hinauf bis zum c'''' (historisch verbürgt: Benny Goodman im 1938er Carnegie Hall Concert bei »Sing Sing Sing«)
Übersicht über die ganze Klarinettenfamilie
- Hohe Klarinetten
Hoch-a-Klarinette; As-Klarinette; Hoch-G-Klarinette; Es- und D-Klarinette - Sopran-Klarinetten
C-, B-, A- und G-Klarinette - Tiefe Klarinetten
Bassettklarinette; Klarinette d'Amore und Bassetthorn in G; Bassetthorn in F; Altklarinette - Bass-Klarinetten
Bassklarinette in B und in A; Kontraalt- und Kontrabassklarinette; CLEX; Oktokontraalt- und Oktokontrabassklarinette
Service: Notationsbeispiele zum Ausdrucken
Download »Hilfe zur Notation und Transposition bei Klarinetten« (PDF) (44,2 KiB)