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Die Bass-Klarinetten

Bassklarinette in B und A · Kontraaltklarinette · Kontrabassklarinette · CLEX · Oktokontralt- und Oktokontrabassklarinette

Fassen wir diese Instrumente der Einfachheit halber unter dem Gattungsbegriff 'Bass-Klarinetten' zusammen. Je tiefer, je 'bässer'!

Bassklarinette [in B]

Die Bassklarinette (in B) transponiert, bei Notation im Violinschlüssel, eine Oktave plus eine große Sekunde [14 Halbtöne] nach unten, ist also eine Oktave tiefer als die B-Klarinette oder, anders ausgedrückt: doppelt so tief – allerdings in der "vollständigen" Bauweise nach unten noch um eine Terz "verlängert", was ihr dann die Bezeichnung "bis tief C" einbringt (in der kurzen Bauweise üblich "bis tief Es").

In sinfonischen Werken der Romantik und der sogenannten Moderne wird sie häufiger und in der sinfonischen Blasmusik und Filmmusik regelmäßig verwendet, ebenso im Jazz neuerer Zeit ist sie wieder zu finden. Mit ihren charakteristischen Klangfarben erscheint die Bassklarinette in der romantischen Oper gerne dort solistisch, wo gelitten und gestorben wird.

In älteren Notenausgaben insbesondere der Romantik und der Musik des 20. Jahrhunderts wurde die Bassklarinettenstimme im Bassschlüssel notiert, also eine Oktave tiefer als im Violinschlüssel (und eine große Sekunde nach unten transponierend). Diese Schreibweise ist aber bei neueren Notenausgaben unüblich geworden. Man muss sie aber lesen können, wenn man die Werke der "alten Meister" spielen will, ohne sich die Mühe der Übertragung in die moderne Notation machen zu wollen. (Allerdings findet sich für manches Standardwerk irgendwo im Internet sicher jemand, der das schon einmal für sich gemacht hat.)

Bassklarinette [in A]

Sehr selten ist die Bassklarinette in A (die eine Oktave plus eine kleine Terz nach unten transponiert, also einen Halbton tiefer ist als die übliche Bassklarinette in B). Bekannt ist ein Exemplar, das für die Erstaufführung von Richard Wagners »Tristan und Isolde« im Bayreuther Festspielhaus gebaut wurde. Dieses Instrument ist heute im Besitz der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und noch spielbar – dem Vernehmen nach allerdings mit einer Grundstimmung von a' = ca. 435 Hz.

Kontraaltklarinette [in Es]

Die Kontraaltklarinette transponiert eine Oktave plus eine große Sexte [21 Halbtöne] nach unten, ist also um mehr als anderthalb Oktaven tiefer als die B-Klarinette. Sie ist vermutlich noch exotischer als die Kontrabassklarinette. Ich kenne aber eine! Verwendet wird sie gelegentlich in groß besetzten Werken der sinfonischen Blasmusik, bei denen entweder zu ihrer Entstehungszeit keine Kontrabassklarinette verfügbar war oder sie, gerne doppelnd, das (sehr) tiefe Holzregister verstärkt. Julie Giroux schreibt in den »Program Notes« zu ihrer 5. Sinfonie (»Elements«): »The orchestration is tailored for using a Bb Contrabass Clarinet OR Eb Contra Alto Clarinet in addition to Contrabasson.«

Man könnte die Kontraaltklarinette als oktavierendes Pendant zur Altklarinette verstehen, die ebenfalls in Es notiert ist. Auch bei der Kontraaltklarinette wird man, von individuellen Sonderanfertigungen abgesehen, nur die französische Griffweise vorfinden.

Kontrabassklarinette [in B]

Die Kontrabassklarinette als größte der Klarinetten transponiert zwei Oktaven plus eine große Sekunde [26 Halbtöne] nach unten ist also zwei Oktaven tiefer als die B-Klarinette, oder, anders ausgedrückt: viermal so lang. Damit ist sie der absolute Exot in der Klarinettenfamilie. Wie bei der Bassklarinette gibt es auch bei der Kontrabassklarinette eine "kurze" Version, die bis zum (notierten) tiefen es reicht, und eine "lange" Version, die eine kleine Terz tiefer bis zum (notierten) tiefen C reicht. Der tiefste klingende Ton entspricht bei der langen Variante der tiefsten (äußerst linken) schwarzen Taste auf dem Klavier.

CLEX [in B]

Jochen Seggelke hat mit Partnern aus der Schweiz 2016 eine mechatronisch gesteuerte Kontrabassklarinette zur Praxisreife entwickelt und CLEX genannt. »CLEX« steht dabei für »Contrabass Clarinet Extended«. Siehe die folgenden Fotos. Informationen dazu gibt es ➤ hier und ➤ hier.

Jochen Seggelke präsentiert den voll funktionsfähigen Prototypen seiner Kontrabassklarinette "CLEX" am 2.10.2016 auf einem Symposium der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft in der Hochschule für Musik Mainz
Jochen Seggelke präsentiert den voll funktionsfähigen Prototypen seiner Kontrabassklarinette "CLEX" am 2.10.2016 auf einem Symposium der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft in der Hochschule für Musik Mainz
Kontrabassklarinette „CLEX“ mit mechatronischer Steuerung (voll funktionsfähiger Prototyp); Details; Symposium der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft am 2.10.2016, Hochschule für Musik Mainz
Kontrabassklarinette „CLEX“ mit mechatronischer Steuerung (voll funktionsfähiger Prototyp); Details; Symposium der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft am 2.10.2016, Hochschule für Musik Mainz
Kontrabassklarinette „CLEX“ mit mechatronischer Steuerung (voll funktionsfähiger Prototyp); Detail (Spieltisch); Symposium der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft am 2.10.2016, Hochschule für Musik Mainz
Kontrabassklarinette „CLEX“ mit mechatronischer Steuerung (voll funktionsfähiger Prototyp); Detail (Spieltisch); Symposium der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft am 2.10.2016, Hochschule für Musik Mainz

Ursprünglich als Kontrabassklarinette konzipiert (der Name indiziert es), zähle ich die CLEX dennoch als eigenständiges Mitglied der Klarinettenfamilie. Nicht nur die mechatronische Steuerung zeichnet sie als einzigartige Klarinette ihrer ganzen Familie aus. Gegenüber der "konventionellen" Kontrabassklarinette ist ihr Tonumfang auch um vier Halbtöne nach unten erweitert (man könnte von einem ergänzten Bassettunterstück am oberen Korpusende sprechen), welche allerdings nur manuell – ohne mecha(tro)nische Klappen – geschlossen werden können (von einer zweiten Person).

Oktokontraaltklarinette [in Es] und Oktokontrabassklarinette [in B]

Die Fa. Leblanc baute Anfang der 1970er Jahre Instrumente, die noch tiefer sind als die Kontrabassklarinette: Zum einen eine »octo contraalt clarinet« (Oktokontraaltklarinette), die eine Oktave tiefer ist als die Kontraaltklarinette, und zum anderen eine »octo contrabass clarinet« (Oktokontrabassklarinette, alternative Bezeichnung: Subkontrabassklarinette), die eine Oktave tiefer hinunter geht als die Kontrabassklarinette; beide sind jedoch über das Stadium des Prototypen nicht hinausgekommen. Cyrille Mercadier präsentiert auf Youtube die Oktokontraaltklarinette in diesem kurzen Video und eine Auswahl von zwölf Klarinetten von Oktokontraalt bis Hoch-as in diesem kurzen Video.

Martin Foag begann etwa 2020 mit der Entwicklung einer serienmäßig produzierbaren Oktokontrabassklarinette. Das serienreife Instrument stellte er im April 2025 auf der Musikmesse akustika in Nürnberg vor (Foto). Damit ist, abgesehen von wenigen sehrsehrgroßen Kirchenorgeln, das tiefste Blasinstrument überhaupt gegeben: tiefster Ton klingend = Subsubkontra-B = 14,5 Hz (das ist Infraschall und knapp unterhalb des menschlichen Hörbereichs, der allgemein bei 16 Hz beginnt und bis 21.000 Hz reicht).

Das sind nun wirklich die allergrößten und allertiefsten Klarinetten!