Systematik der Musikinstrumente
Die wissenschaftlich-systematisch Denkenden unter uns stellen schnell die Widersprüche fest, wenn man die zunächst ebenso selbstverständlich wie einleuchtend erscheinenden, heute im Sinfonie- und Blasorchester gebräuchlichen Unterteilungen betrachtet:
- Streichinstrumente – Holzblasinstrumente – Blechblasinstrumente?
- Schlaginstrumente – Zupfinstrumente – Streichinstrumente – Blasinstrumente?
- Saiteninstrumente – Blasinstrumente?
Der Versuch von Erich M. v. Hornbostel und Curt Sachs
Die Herren von Hornbostel/Sachs haben sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr gründlich und wissenschaftlich dieser Frage gewidmet. Als Ergebnis ihrer Studien ordnen sie die Klarinette statt als »Holzblasinstrument« sehr viel genauer und systematischer wie folgt ein (Klassifikationsnummer 422.211.2):
Aerophon (die Luft selbst gerät primär in Schwingung)
→ Eigentliches Blasinstrument (die schwingende Luft ist durch das Instrument selbst begrenzt)
→→ Schalmeie (der Wind erhält durch Vermittlung schwingender, am Instrument angebrachter Lamellen stoßweisen Zutritt zu der in Vibration zu setzenden Luftsäule)
→→→ Klarinette (die Schalmei hat ein »Blatt« aus einer aufschlagenden Lamelle)
→→→→ Mit zylindrischer Röhre
→→→→→ Mit Grifflöchern.
Fazit
Wir sehen, dass sich die Klarinette gänzlich ohne die Begriffe Holz und Holzblasinstrument eindeutig klassifizieren lässt. Folgerichtig sind auch Klarinetten mit einem Korpus aus Metall, Kunststoff, Plexiglas etc. pp. richtige Klarinetten! Und auch durch die Verwendung von Kunststoff- statt Schilfrohrblättern (als »schwingende, am Instrument angebrachte Lamellen«) ändert sich die Klassifizierung nicht.
Die vollständige Abhandlung mit Text und Tabellen (Bestimmungstafeln)
Eine Zusammenfassung zur von Hornbostel/Sachs'schen Systematik ist auf Wikipedia nachzulesen. Dort finden sich auch Hinweise auf spätere Ergänzungen aus den Jahren 1940 und 2011/2017 insbesondere zur angefügten fünften Hauptgruppe der Elektrophone.
Die ganze Abhandlung zur »Systematik der Musikinstrumente« aus der Zeitschrift für Ethnologie 46, 1914 (4-5):553-90, mit allen herleitenden Erwägungen, habe ich exklusiv für die Besucher meiner Website hier aufbereitet: