Die ganze Familie der Klarinetteninstrumente

... umfasst Instrumente unterschiedlichster Grundstimmung und Größe.

Die Vielzahl der unterschiedlichen Grundstimmungen geht auf die historischen Wurzeln der Klarinette um das Jahr 1700 zurück, als man noch nicht über die heutigen Möglichkeiten einer komplexen mechanischen Ergänzung des Holzkorpus verfügte, die erst das weitgehend problemlose Spielen aller Tonarten auf einem Instrument möglich machten. Hinzu kommen selbstverständlich kompositorische und aufführungspraktische Wünsche, die zur Erfindung und Verbreitung von ganz kleinen (ganz hohen) bis zu ganz großen (ganz tiefen) Klarinetteninstrumenten führten. Traditionsbewusst wie Instrumentenbauer und Instrumentalisten nun mal sind, wurden bei der Evolution der Klarinetten über die Jahrhunderte ihrer Existenz die von der ansonsten üblichen Grundstimmung in C abweichenden Grundstimmungen (besonders häufig in B und Es) beibehalten. 

Tonumfang

Der Tonumfang der Klarinette erstreckt sich über mehr als dreieinhalb Oktaven. Die Notation erfolgt heute im Violinschlüssel, beginnend mit dem tiefsten Ton e (bei einigen Instrumenten C) bis zum höchsten Ton, meist ein g''' (selten bis c'''').

Von der C-Klarinette abgesehen transponieren alle Instrumente; praktischerweise muss man das beim Erlernen der Griffe für die Töne nicht berücksichtigen - auf allen Klarinetteninstrumenten sind die Griffe für identische Noten identisch (abgesehen von kleineren bauartbedingten Unterscheiden insbes. jenseits des notierten c'''). Je nach Grundstimmung erklingen aber verschiedene Töne – das ist für's Zusammenspiel mit anderen Instrumenten entscheidend. Kurze Notenbeispiele in der nachfolgenden Auflistung sollen dies verdeutlichen.

Notationsbeispiele

Die Notenbeispiele zeigen jeweils im ersten Takt die notierten (gegriffenen) Töne, und zwar das zweigestrichene C (c'' bzw. c²) und den tiefsten Ton des Instrumentes. Im zweiten Takt habe ich die entsprechenden klingenden Töne ergänzt, transponiert in die Tonart, wie sie zum Beispiel auf dem Klavier zu spielen wäre. Ab Bassetthorn abwärts ist für die klingenden Töne die Notation im Bassschlüssel gewählt, weil es sonst zu viele Hilfslinien geworden wären (und das auch in dieser Tiefe üblich ist).

Hoch-A-Klarinette

Sie transponiert eine große Sexte [neun Halbtöne] nach oben und existiert nur in wirklich seltenen Exemplaren.

As-Klarinette (Hoch-as-Klarinette)

Sie transponiert eine kleine Sexte [acht Halbtöne] nach oben.

G-Klarinette (Hoch-g-Klarinette)

Sie transponiert eine reine Quinte [sieben Halbtöne] nach oben und wird auch “Picksüßes Hölzl” genannt und in der österreichischen Schrammel- und Volksmusik verwendet.

Es-Klarinette

Sie transponiert eine kleine Terz [drei Halbtöne] nach oben. Verwendung findet sie in der Spätromantik und Militär-/Blasmusik. Ob ihres Klangcharakters auch "S-Piepe" oder "Glasschneider" genannt, worin Vorurteile zum Ausdruck kommen, die bei gekonntem Spiel aber schnell widerlegt sind.

D-Klarinette

Sie transponiert eine große Sekunde [zwei Halbtöne] nach oben und wird heute selten verwendet.

C-Klarinette

Das einzige Familienmitglied, das ausnahmsweise nicht transponiert: der notierte Ton entspricht dem klingenden. Im Profibereich selten verwendet (obgleich viele klassisch-romantische Komponisten sie bisweilen vorsehen), jedoch wegen ihrer Größe als Anfängerinstrument für acht- bis elfjährige Schüler mittlerweile stark verbreitet. Gerne so konstruiert, dass das B-Klarinettenmundstück aufgesetzt werden kann, so dass sich der Schüler beim Wechsel auf die B-Klarinette hier nicht umgewöhnen muss bzw. der Profi kein separates Setup neben seinem A/B-Klarinettensatz benötigt.

B-Klarinette

Sie transponiert eine große Sekunde [zwei Halbtöne] nach unten und ist das am meisten verbreitete Instrument der Klarinettenfamilie. Immer häufiger liest man für sie die Bezeichnung “Sopran-Klarinette” (entlehnt aus den Bezeichnungen der Saxophon-Familie).

Manche Hersteller bieten für die B-Klarinette eine sog. Tief-es-Verlängerung an, die zwischen Schallbecher und Unterstück gesetzt wird und den Tonumfang nach unten um einen halben Ton (bis zum notierten es, klingend des) erweitert. Das im Erweiterungsstück befindliche Tonloch wird bei Bedarf über die Klappe für den rechten Daumen mit der Bechermechanik geschlossen oder geöffnet. Für Spieler ohne A-Klarinette besteht so die Möglichkeit, auch deren tiefsten Ton auf der B-Klarinette zu spielen und so die Literatur für A-Klarinette auf der B-Klarinette (transponiert) zu spielen.

A-Klarinette

Sie transponiert eine kleine Terz [drei Halbtöne] nach unten und ist neben der B-Klarinette in Sinfonik und Kammermusik verbreitet und ein Muss für jeden Sinfonieorchester- und Kammermusik-Klarinettisten, der deshalb einen "Klarinettensatz" (A- und B-Klarinette) sein eigen nennen sollte. Im Übrigen ist meine Lieblingsklarinette und daher Namensgeberin dieser Internetseiten [davon abgesehen, dass alle anderen einfachen Domainnamen anderweitig vergeben sind].

Tiefe G-Klarinette

Sie transponiert eine reine Quarte [fünf Halbtöne] nach unten. Es ist eine selten gespielte Bauform, am ehesten in der folkloristisch-orientalischen Musik zu finden (dort dann trotz der internationalen Verbreitung meist mit deutscher Griffweise).

Bassettklarinette

Die A-Klarinette kann mit einem, einer großen Terz entsprechenden, verlängerten Unterstück versehen werden, um die Töne bis zum notierten c (klingend A) spielen zu können. Sie nennt sich dann Bassettklarinette. Zuerst wurde sie wieder populär durch Sabine Meyer, und ist heute bei vielen namhaften Solisten verbreitet. Sie kommt meist bei Aufführungen von Mozarts Klarinettenkonzert zum Einsatz, weil man so die mutmaßliche Originalversion der Solostimme ohne Änderungen spielen und dem Werk einen noch intensiveren Charakter im tiefen Register verleihen kann.

Bassetthorn

Es transponiert eine reine Quinte [sieben Halbtöne] nach unten. W. A. Mozart liebte es sehr und setzte ihm im Requiem (KV 626) ein klingendes Denkmal (obgleich alle vorgesehenen Töne mit der B-Klarinette gespielt werden können, aber ihm war wohl an dem besonderen Klangbild gelegen). Heute entdeckt man das Bassetthorn für Kammermusik, aber auch für improvisatorische Musik, wieder neu. Aufgrund gewisser konstruktiver Merkmale sei das Bassetthorn eigentlich keine Klarinette, habe ich mal gehört, weiß aber nichts Genaues dazu. Jedenfalls ist es der Klarinette aber verblüffend ähnlich.

Altklarinette

Sie transponiert eine große Sexte [neun Halbtöne] nach unten und kann auch von jungen Menschen gespielt werden. Sie ist allgemein eher selten gebräuchlich - in ihrer Stimmlage konkurriert sie mit dem Bassetthorn - und wird am ehesten in sinfonischer Blasmusik anzutreffen sein. Quartettliteratur sieht oft die Altklarinette für die dritte Stimme vor, weil das Bassetthorn noch seltener zu sein scheint.

Bassklarinette

Sie transponiert eine Oktave plus eine große Sekunde [14 Halbtöne] nach unten, ist also eine Oktave tiefer als die B-Klarinette oder, anders ausgedrückt: doppelt so tief – allerdings in der "vollständigen" Bauweise nach unten noch um eine Terz "verlängert", was ihr dann die Bezeichnung "bis tief C" einbringt (in der kurzen Bauweise üblich "bis tief Es"). In sinfonischen Werken der Romantik und sog. Moderne oft und in der sinfonischen Blasmusik gerne verwendet, ebenso im Jazz neuerer Zeit wieder zu finden. Sehr selten sind Bassklarinetten in A (die eine Oktave plus eine kleine Terz nach unten transponieren); bekannt ist ein Exemplar, das für die Uraufführung von Richard Wagners Tristan und Isolde in Bayreuth gebaut wurde und noch heute spielbar ist

Kontraaltklarinette

Sie transponiert eine Oktave plus eine große Sexte [21 Halbtöne] nach unten, ist also um mehr als anderthalb Oktaven tiefer als die B-Klarinette und ist vermutlich noch exotischer als die Kontrabassklarinette. Ich kenne aber eine!

Kontrabassklarinette

Die allergrößte der Klarinetten transponiert zwei Oktaven plus eine große Sekunde [26 Halbtöne] nach unten ist also zwei Oktaven tiefer als die B-Klarinette, oder, anders ausgedrückt: viermal so lang. Damit ist sie der absolute Exot in der Klarinettenfamilie. Wie bei der Bassklarinette gibt es auch bei der Kontrabassklarinette eine "kurze" Version, die bis zum (notierten) tiefen es reicht, und eine "lange" Version, die eine kleine Terz tiefer bis zum (notierten) tiefen C reicht. Der tiefste klingende Ton entspricht bei der langen Variante der tiefsten (äußerst linken) schwarzen Taste auf dem Klavier.

CLEX

Jochen Seggelke hat mit Partnern aus der Schweiz 2016 eine mechatronisch gesteuerte Kontrabassklarinette zur Praxisreife entwickelt und "CLEX" genannt. (Siehe Fotos am Seitenrand.) Mehr Informationen dazu gibt es hier.

Service: Download der Notationsbeispiele

Tonumfang-Notation-Transposition.pdf (25,8 KiB)
B-Klarinette (Schwenk & Seggelke) und Bassklarinette (Harald Hüyng)
B-Klarinette (Schwenk & Seggelke) und Bassklarinette (Harald Hüyng)